All-on-4 ist ein Behandlungskonzept für den zahnlosen oder nicht mehr erhaltungsfähigen Kiefer: vier Implantate tragen eine festsitzende Brücke mit zehn bis vierzehn Zähnen. Entwickelt wurde es in den 1990er-Jahren mit einem klaren Ziel - Knochenaufbau zu vermeiden und die Behandlungsdauer zu verkürzen.
Das ist gelungen und erklärt den Erfolg des Konzepts. Es erklärt auch, warum es so intensiv beworben wird, und warum eine nüchterne Einordnung nützlich ist.
Wichtige Erkenntnisse
- Vier Implantate, die beiden hinteren geneigt, tragen eine festsitzende Brücke.
- Der Hauptvorteil ist der vermiedene Knochenaufbau und damit die kürzere Behandlungszeit.
- Die Sofortversorgung ist möglich, aber an eine ausreichende Primärstabilität gebunden.
- Bei nur vier Pfeilern hat der Ausfall eines Implantats größere Folgen als bei sechs oder acht.
- Die tägliche Reinigung unter der Brücke ist anspruchsvoll und entscheidet über die Haltbarkeit.
Die Idee dahinter
Nach jahrelanger Zahnlosigkeit ist im hinteren Kieferabschnitt oft kaum noch Knochen vorhanden - im Oberkiefer wegen der abgesunkenen Kieferhöhle, im Unterkiefer wegen des allgemeinen Abbaus. Vorne dagegen bleibt meist ein solider Knochenblock erhalten.
All-on-4 nutzt genau diesen Bereich:
- Zwei gerade Implantate im Frontbereich
- Zwei geneigte Implantate weiter hinten, um 30 bis 45 Grad gekippt, sodass ihre Spitze im vorderen Knochen sitzt und der Austritt weiter hinten liegt
Durch die Neigung wandert die hintere Abstützung nach distal. Das verkürzt den freischwebenden Teil der Brücke und erlaubt eine Versorgung bis in den Bereich der Backenzähne - ohne Sinuslift, ohne Blockaugmentation.
Ablauf
- Planung. Dreidimensionale Aufnahme, Analyse des Knochenangebots, digitale Planung der Implantatpositionen, häufig mit Bohrschablone.
- Eingriff. Falls noch Zähne vorhanden sind, werden sie entfernt. Der Kieferkamm wird geglättet, die vier Implantate werden gesetzt. Dauer: zwei bis drei Stunden je Kiefer, in Betäubung, häufig mit Sedierung.
- Sofortversorgung. Erreichen alle Implantate die nötige Primärstabilität, wird noch am selben oder am Folgetag eine provisorische Brücke aus Kunststoff verschraubt.
- Einheilung. Drei bis sechs Monate. In dieser Zeit gilt weiche Kost - die Brücke sieht fest aus, die Implantate heilen aber noch ein.
- Endgültige Brücke. Nach der Einheilung wird neu abgeformt und die definitive Versorgung gefertigt, meist aus Zirkondioxid oder als Metallgerüst mit Verblendung.
Wofür das Konzept gut geeignet ist
- Zahnloser Kiefer mit ausreichend Knochen im Frontbereich
- Nicht mehr erhaltungsfähiges Restgebiss, bei dem ohnehin alles entfernt werden muss
- Wunsch nach festsitzendem Zahnersatz ohne monatelange Vorbehandlung
- Ausgeprägter Würgereiz, der eine Oberkieferprothese mit Gaumenplatte unmöglich macht
- Situationen, in denen ein Knochenaufbau medizinisch nicht sinnvoll ist
Wo die Grenzen liegen
Die Redundanz fehlt. Vier Pfeiler für vierzehn Zähne bedeuten: Jeder trägt viel. Geht einer verloren, ist die Brücke meist nicht weiter belastbar. Konzepte mit sechs oder acht Implantaten verzeihen mehr - kosten aber auch mehr.
Die Reinigung ist anspruchsvoll. Zwischen Brücke und Zahnfleisch bleibt ein schmaler Spalt, der täglich mit Superfloss, Interdentalbürsten oder Munddusche gereinigt werden muss. Wer das nicht zuverlässig schafft, riskiert eine Periimplantitis - siehe Komplikationen.
Die Sofortversorgung ist keine Garantie. Sie setzt voraus, dass die Implantate beim Setzen ein bestimmtes Drehmoment erreichen. Ist der Knochen zu weich, wird nicht sofort versorgt - dann trägt man doch für einige Monate eine herausnehmbare Übergangslösung. Darauf sollte man vorbereitet sein.
Ästhetik im Oberkiefer. Bei stark zurückgebildetem Kieferkamm braucht die Brücke einen künstlichen Zahnfleischanteil, um die Lücke zwischen Zahnhals und Kieferkamm zu schließen. Bei einer hohen Lachlinie kann dieser Übergang sichtbar werden.
Feste Zähne heißen nicht wartungsfrei. Verschraubungen werden kontrolliert und nachgezogen, provisorische Brücken können brechen, Verblendungen absplittern. Ein Nachsorgeplan gehört dazu.
Kosten
| Position | Größenordnung je Kiefer |
|---|---|
| Vier Implantate inklusive Chirurgie | 4.000 bis 7.000 Euro |
| Provisorische Sofortbrücke | 1.000 bis 2.500 Euro |
| Endgültige Brücke | 4.000 bis 10.000 Euro |
| Diagnostik, Schablone, Extraktionen | 500 bis 1.500 Euro |
Insgesamt also meist 9.000 bis 20.000 Euro je Kiefer. Der Festzuschuss der Krankenkasse orientiert sich am Befund - beim zahnlosen Kiefer also an der Vollprothese - und deckt damit nur einen kleinen Teil. Details unter Kosten eines Zahnimplantats.
Fragen, die sich lohnen
- Wie viele Implantate empfehlen Sie in meinem Fall - und warum nicht sechs?
- Was passiert, wenn die Primärstabilität für die Sofortversorgung nicht reicht?
- Aus welchem Material ist die endgültige Brücke, und wie wird sie befestigt?
- Wie sieht der Nachsorgeplan aus, und was kostet er jährlich?
- Wie wird unter der Brücke gereinigt, und bekomme ich das gezeigt?
Fazit
All-on-4 löst ein reales Problem: festsitzenden Zahnersatz auch dort möglich zu machen, wo hinten kaum noch Knochen ist. Es ist kein Verfahren zweiter Wahl und keine Wunderlösung, sondern ein Kompromiss zwischen Aufwand und Ergebnis - mit einer bewusst knappen Zahl an Pfeilern. Wer das versteht und die Reinigung ernst nimmt, bekommt eine Versorgung, die viele Jahre trägt.
Themen: Implantate Zahnersatz & Prothesen