Implantate sind ein etabliertes Verfahren mit hohen Erfolgsraten. Das ändert nichts daran, dass es Komplikationen gibt - und dass die wichtigste davon jahrelang keine Beschwerden macht. Wer weiß, worauf zu achten ist, verhindert den Verlauf, der teuer wird.
Wichtige Erkenntnisse
- Blutung beim Reinigen ist das früheste und zuverlässigste Warnzeichen.
- Mukositis (nur Schleimhaut entzündet) ist rückbildungsfähig, Periimplantitis (mit Knochenabbau) nur begrenzt.
- Schmerz ist ein spätes Symptom - er taugt nicht als Frühwarnsystem.
- Technische Probleme wie Schraubenlockerungen sind meist gut reparabel.
- Zementreste unter dem Zahnfleisch sind eine vermeidbare, aber häufige Entzündungsursache.
Die biologischen Komplikationen
Periimplantäre Mukositis
Die Entzündung der Schleimhaut rund um das Implantat, ohne Knochenverlust. Das Gegenstück zur Zahnfleischentzündung am natürlichen Zahn.
Zeichen: Rötung, Schwellung, Blutung beim Reinigen oder Sondieren.
Behandlung: Professionelle Reinigung, Politur der zugänglichen Flächen, Korrektur der häuslichen Reinigung, Kontrolle nach wenigen Wochen. Antiseptische Spülungen können ergänzen.
Aussicht: vollständig rückbildungsfähig. Genau deshalb ist dieser Zustand der Moment, an dem sich alles entscheidet.
Periimplantitis
Dieselbe Entzündung, aber mit fortschreitendem Abbau des Knochens, der das Implantat hält.
Zeichen: zusätzlich vertiefte Taschen, gelegentlich Eiteraustritt, sichtbar freiliegende Implantatanteile, im Röntgenbild ein trichterförmiger Knochenabbau. Beweglichkeit des Implantats tritt erst ganz am Ende auf - dann ist es verloren.
Behandlung: je nach Ausmaß
- nichtchirurgisch: mechanische Reinigung der Implantatoberfläche mit geeigneten Instrumenten, Pulverstrahlgeräte, gegebenenfalls lokale Antiseptika oder Antibiotika
- chirurgisch: Aufklappen, Reinigung unter Sicht, Glätten der freiliegenden Gewindeanteile oder Versuch eines Knochenaufbaus
- als letzter Schritt: Entfernung des Implantats
Aussicht: Die Entzündung lässt sich oft stoppen. Verlorener Knochen kommt nur begrenzt zurück.
Risikofaktoren: Rauchen, Parodontitis in der Vorgeschichte, fehlende Nachsorge, schlecht zu reinigende Konstruktionen, Zementreste.
Zementreste
Wird die Krone auf dem Implantat zementiert, kann überschüssiger Zement unter das Zahnfleisch gepresst werden und dort bleiben. Er ist auf dem Röntgenbild oft nicht sichtbar und wirkt wie ein Fremdkörper, an dem sich Bakterien festsetzen. Studien führen einen erheblichen Anteil der Periimplantitisfälle darauf zurück.
Vermeiden lässt sich das durch verschraubte statt zementierte Kronen - eine Frage, die vor der Anfertigung gestellt werden sollte.
Die chirurgischen Komplikationen
Verletzung des Unterkiefernervs. Der Nervus alveolaris inferior verläuft im Unterkiefer und versorgt Unterlippe und Kinn. Wird er beim Bohren gereizt oder verletzt, entstehen Taubheit, Kribbeln oder Missempfindungen. Vermeidbar ist das durch sorgfältige dreidimensionale Planung und ausreichenden Sicherheitsabstand. Tritt es auf, zählt jeder Tag: Frühzeitiges Kürzen oder Entfernen des Implantats verbessert die Aussicht auf Rückbildung erheblich.
Eröffnung der Kieferhöhle. Im Oberkiefer möglich, meist beherrschbar. Details unter Sinuslift.
Wundheilungsstörung und Nahtdehiszenz. Die Wundränder gehen auseinander, das darunterliegende Material liegt frei. Fällt meist in der ersten oder zweiten Woche auf und sollte zeitnah versorgt werden.
Infektion. Selten, erkennbar an zunehmenden statt abnehmenden Schmerzen ab dem dritten Tag, Fieber oder Eiter.
Ausbleibende Einheilung. Das Implantat verbindet sich nicht mit dem Knochen und wird locker. Es wird entfernt, die Stelle heilt aus, nach einigen Monaten kann erneut implantiert werden.
Die technischen Komplikationen
| Problem | Häufigkeit | Behandlung |
|---|---|---|
| Lockerung der Abutmentschraube | häufig | Nachziehen mit definiertem Drehmoment |
| Bruch der Verbindungsschraube | gelegentlich | Entfernen des Fragments, Austausch |
| Absplitterung der Verblendung | gelegentlich | Politur, Reparatur oder Neuanfertigung |
| Verschleiß von Prothesen-Halteelementen | planmäßig | Austausch alle ein bis drei Jahre |
| Bruch des Implantats | selten | Entfernung, Neuplanung |
Wiederholt sich eine Schraubenlockerung, ist meist nicht die Schraube das Problem, sondern die Belastung: eine ungünstige Bisssituation oder nächtliches Knirschen. Dann hilft nur, die Ursache anzugehen.
Warnzeichen, die in die Praxis gehören
Sofort:
- anhaltendes Taubheitsgefühl in Lippe oder Kinn
- zunehmende Schmerzen ab dem dritten Tag nach dem Eingriff
- Fieber, starke Schwellung, Eiteraustritt
- starke Nachblutung
Zeitnah:
- Blutung beim Reinigen um das Implantat
- Zahnfleisch zieht sich sichtbar zurück
- schlechter Geschmack oder Geruch an einer Stelle
- Gefühl, dass die Krone „anders” beißt oder sich bewegt
- Druckgefühl in der Wange nach einem Eingriff im Oberkiefer
Vorbeugung in fünf Punkten
- Verschraubte Kronen wählen, wo möglich - kein Zement, keine Zementreste.
- Nachsorgeintervall vereinbaren und einhalten, auch beschwerdefrei.
- Interdentalbürsten in der ausgemessenen Größe täglich verwenden.
- Schutzschiene bei Bruxismus.
- Rauchstopp - der Faktor mit dem größten Hebel.
Fazit
Die gefährlichste Komplikation ist die, die nicht weh tut. Periimplantitis entwickelt sich über Jahre und wird oft erst bemerkt, wenn ein Drittel des Knochens fehlt. Das einzige verlässliche Gegenmittel ist die regelmäßige Kontrolle - und die Bereitschaft, eine Blutung beim Reinigen als das zu nehmen, was sie ist: ein Signal.
Themen: Implantate Zahnkrankheiten