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Zahn Konzept

Implantate

Sinuslift: Wann er nötig ist und wie er abläuft

Im hinteren Oberkiefer reicht die Knochenhöhe für ein Implantat oft nicht aus, weil die Kieferhöhle im Weg ist. Der Sinuslift schafft den fehlenden Raum - in zwei Varianten mit sehr unterschiedlichem Aufwand.

Der hintere Oberkiefer ist die Region, in der Implantate am häufigsten an fehlendem Knochen scheitern. Dafür gibt es zwei Gründe, die zusammenkommen: Der Knochen ist dort ohnehin weicher als im Unterkiefer, und über den Wurzeln der Backenzähne liegt die Kieferhöhle - ein luftgefüllter Hohlraum, der sich nach einem Zahnverlust nach unten ausdehnt.

Übrig bleibt manchmal eine Knochenlamelle von wenigen Millimetern. Der Sinuslift schafft dort neuen Raum für den Knochen.

Wichtige Erkenntnisse

  • Betroffen ist fast ausschließlich der Seitenzahnbereich im Oberkiefer.
  • Der interne Sinuslift ist ein kleiner Eingriff für wenige Millimeter, der externe ein größerer für deutlich mehr Höhe.
  • Die Erfolgsraten liegen in beiden Varianten hoch; die häufigste Komplikation ist ein Riss der Kieferhöhlenschleimhaut.
  • Eine akute oder chronische Nasennebenhöhlenentzündung muss vorher abgeklärt sein.
  • Nach dem Eingriff gilt für zwei bis drei Wochen: nicht schnäuzen, nicht fliegen, nicht tauchen.

Was genau angehoben wird

Die Kieferhöhle ist innen von einer dünnen Schleimhaut ausgekleidet, der Schneiderschen Membran. Sie ist der eigentliche Gegenstand des Eingriffs: Sie wird vorsichtig vom knöchernen Boden gelöst und angehoben, ohne zu reißen. In den Raum darunter kommt Knochenersatzmaterial, das im Laufe der Monate von körpereigenem Knochen durchbaut wird.

Die Kieferhöhle selbst wird dadurch etwas kleiner. Funktionelle Nachteile sind daraus nicht bekannt.

Interner Sinuslift

Auch Sinuslift nach Summers oder osteotomer Sinuslift genannt.

Ablauf: Der Implantatkanal wird bis kurz vor den Kieferhöhlenboden aufbereitet. Die verbleibende Knochenlamelle wird mit einem stumpfen Instrument vorsichtig nach oben gedrückt und nimmt die Membran mit. Über den Kanal wird Ersatzmaterial eingebracht, anschließend das Implantat gesetzt.

Voraussetzung: Es müssen bereits etwa fünf bis sechs Millimeter Restknochen vorhanden sein, damit das Implantat von Anfang an hält.

Gewinn: typischerweise drei bis vier Millimeter.

Vorteil: ein Eingriff statt zwei, deutlich weniger Schwellung, kürzere Gesamtdauer.

Externer Sinuslift

Auch laterale Fenstertechnik oder Sinuslift nach Tatum/Boyne genannt.

Ablauf: Über einen Zugang von der Wangenseite wird ein kleines Fenster in die knöcherne Außenwand der Kieferhöhle präpariert. Durch dieses Fenster wird die Membran unter Sicht abgelöst und angehoben. Der entstandene Raum wird gefüllt, das Fenster mit einer Membran abgedeckt, die Wunde vernäht.

Voraussetzung: funktioniert auch bei sehr geringer Restknochenhöhe.

Gewinn: je nach Ausgangslage acht Millimeter und mehr.

Ein- oder zweizeitig: Sind mindestens etwa vier Millimeter Restknochen vorhanden, kann das Implantat im selben Eingriff gesetzt werden. Darunter wird zweizeitig gearbeitet - erst aufbauen, nach sechs bis neun Monaten implantieren.

Was vorher geklärt sein muss

Ein Sinuslift setzt eine gesunde Kieferhöhle voraus. Deshalb gehören zur Vorbereitung:

  • Dreidimensionale Bildgebung. Sie zeigt Restknochenhöhe, Septen (knöcherne Trennwände in der Kieferhöhle, die den Eingriff erschweren) und den Zustand der Schleimhaut.
  • Abklärung von Nasennebenhöhlenproblemen. Eine chronische Sinusitis, ausgeprägte Polypen oder ein verlegter Abfluss sollten vorher HNO-ärztlich behandelt werden.
  • Allergien und Heuschnupfen. Ein Eingriff außerhalb der Pollensaison ist angenehmer.
  • Nikotinkarenz. Wie bei jedem Knochenaufbau der Faktor mit dem größten Einfluss.

Risiken

Die Erfolgsraten sind hoch, die möglichen Komplikationen aber bekannt:

  • Perforation der Schneiderschen Membran. Die häufigste, tritt je nach Studie in etwa zehn bis zwanzig Prozent der Fälle auf. Kleine Risse werden abgedeckt, der Eingriff läuft weiter. Große führen zum geplanten Abbruch.
  • Infektion der Kieferhöhle. Selten, meist in den ersten Wochen, macht sich durch Druckgefühl, einseitige Beschwerden und Sekretabfluss bemerkbar.
  • Verlust des Augmentats. Möglich bei Infektion oder Nahtdehiszenz.
  • Blutung. Aus einem kleinen Gefäß in der Kieferhöhlenwand, in der Regel gut zu beherrschen.
  • Vorübergehende Schwellung und Blutergüsse. Regelhaft, kein Zeichen für ein Problem.

Kosten

VarianteGrößenordnung
Interner Sinuslift400 bis 900 Euro
Externer Sinuslift, einseitig900 bis 2.000 Euro
Knochenersatzmaterial und Membran200 bis 600 Euro
Dreidimensionale Aufnahme100 bis 250 Euro

Bei gesetzlich Versicherten trägt die Kasse den Sinuslift in aller Regel nicht. Er zählt zur implantologischen Leistung und damit zum Eigenanteil. Wie sich das in die Gesamtkosten einordnet, steht unter Kosten eines Zahnimplantats.

Verhalten nach dem Eingriff

Für zwei bis drei Wochen gilt:

  • nicht schnäuzen - Druck presst Luft in das Operationsgebiet
  • beim Niesen den Mund öffnen
  • nicht fliegen, nicht tauchen
  • kein Trinken mit Strohhalm, kein Blasinstrument
  • kein Nikotin
  • keine schwere körperliche Belastung
  • verordnete abschwellende Nasentropfen und Antibiotika wie besprochen einnehmen

Ein leichter Druck auf der betroffenen Seite und blutig gefärbtes Nasensekret in den ersten Tagen sind normal. Zunehmende Schmerzen, Fieber oder eitriges Sekret nach einer Woche sind es nicht.

Fazit

Der Sinuslift ist ein Routineeingriff der Implantologie mit hohen Erfolgsraten - und der Grund dafür, dass Implantate im hinteren Oberkiefer heute in Situationen möglich sind, die vor dreißig Jahren als nicht versorgbar galten. Wer die Wahl zwischen interner und externer Variante hat, sollte nach der Restknochenhöhe fragen: An dieser Zahl hängt, ob ein kleiner oder ein größerer Eingriff ansteht.

Themen: Implantate Verfahren

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen internem und externem Sinuslift?

Beim internen Sinuslift wird der Kieferhöhlenboden durch den Implantatkanal von unten angehoben - ein kleiner Eingriff für wenige Millimeter Gewinn. Beim externen Sinuslift wird die Kieferhöhle über ein seitliches Fenster eröffnet, was deutlich mehr Höhe ermöglicht, aber aufwendiger ist.

Wie lange dauert die Heilung?

Beim internen Sinuslift heilt das gleichzeitig gesetzte Implantat in etwa vier bis sechs Monaten ein. Beim externen Sinuslift ohne gleichzeitige Implantation sind sechs bis neun Monate üblich, bevor implantiert wird.

Was passiert, wenn die Schneidersche Membran reißt?

Ein kleiner Riss der Kieferhöhlenschleimhaut ist die häufigste Komplikation und meist beherrschbar: Er wird mit einer Membran abgedeckt und der Eingriff fortgesetzt. Bei größeren Rissen wird abgebrochen und nach einigen Wochen erneut versucht.

Darf ich nach einem Sinuslift fliegen?

In den ersten zwei bis drei Wochen besser nicht. Druckschwankungen belasten die frisch versorgte Kieferhöhle. Gleiches gilt für Tauchen, das noch länger vermieden werden sollte.

Zuletzt geprüft: 2026-08-08